Seminarwochenende mit Dr. Horst Neumann


"Wer's glaubt, wird selig"

 

Immer wenn man diesen Spruch hört, sind die ersten Assoziationen häufig das genaue Gegenteil, nämlich an dem Ernst des vorher Gesagten zu zweifeln. Noch schlimmer ist es, wenn das Ganze ins Lächerliche gezogen wird und damit auch noch der Christ in uns angesprochen wird. Lassen wir uns dadurch sofort verunsichern, erstirbt sofort unser so kleiner Mut zu einem wenig offenen Bekennen oder sogar missionarischem Wirken. Kann ich noch zu einem solchen Satz stehen, ohne schräg angesehen zu werden?

Sehen wir es doch einfach mal anders herum: viele Sprüche, die den Leuten täglich wie selbstverständlich über die Lippen gehen, haben einen biblischen Hintergrund: „Gott sei Dank!“, „Die Decke von den Augen genommen!“, „Durch die Hölle gehen.“ usw. Das ist auf die Übersetzungsarbeit Martin Luthers im Mittelalter zurückzuführen und prägt bis heute das christliche Abendland. Machen wir uns also dies zu Nutzen und packen den Stier bei den Hörnern. Dann können wir den Glauben schon erklären. Aber wie ist das mit dem Wort „selig“?

Hier hilft uns eine treffendere Übersetzung des Urtextes durch das Wort “retten“. Es bedeutet also, wer an Jesus Christus glaubt, wird gerettet. Ohne Zutun oder Genugtun werden wir gerettet. Was für eine einfache und auch klare Botschaft! Natürlich wird dieser Glaube durch Krankheiten, Arbeitsverlust, Versagensängste und vieles mehr immer wieder auf eine schwere Probe gestellt, und leicht zweifeln wir an unserem Gott. Es bleibt aber Tatsache, dass Jesus Christus um unserer Sünden willen in die Welt kommen musste: Gott der Vater hat alle Schuld auf Ihn gelegt. ER ist in Wahrheit für uns durch die Hölle gegangen.

Die Aufgabe, die uns bleibt, ist allein der Glaube, dass wir uns die Erlösertat Gottes gefallen lassen und annehmen. Alles andere, was zu unserer Rettung nötig ist, ist schon geleistet.

Der Seminarstoff am Samstag war dann etwas schwerer: „Die Beichte – ein vernachlässigtes Geschenk Gottes“. Im ersten Teil wurde ein Feuerwerk aus theologischem Grundwissen und hilfreichen Einblicken in die hebräischen und griechischen Urtexte abgebrannt, das der Referent mit einigen Episoden aus seiner nassauischen Heimat spickte. Danach waren allen Zuhörern die ersten 11 Artikel des Augsburger Bekenntnisses inhaltlich klarer geworden.

Nach der Erklärung von unserem EINEN Gott und der Dreieinigkeit von drei Personen in diesem einen göttlichen Wesen geht es in Artikel 2 um die Erbsünde, die uns von Gott trennt. Danach wird die einzig gangbare Brücke über diese entstandene Kluft Gottes Sohn genannt, der „alle, die an Ihn glauben, heiligt, reinigt stärkt und tröstet“. In der folgenden Aussage zur Rechtfertigung „wird gelehrt, dass wir Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit vor Gott nicht durch unsere Verdienste, Werke und Gott versöhnende Leistungen erreichen können.“ Hier wird auch auf die Abgrenzung unserer Lehre zur römisch-katholischen Kirche hingewiesen, die bis heute die lutherische Lehre von der Rechtfertigung ablehnt.

Über das Predigtamt, die Heilige Taufe und das Heilige Abendmahl kommen wir zur Beichte in Artikel 11. Aber schon zuvor tauchen immer wieder Gedanken zur Beichte auf, die deren zentrale Bedeutung belegen.

Im zweiten Teil wurde anhand von vielen Bibelstellen die Bedeutung aller Formen der Beichte bis hin zur Einzelbeichte beleuchtet. Die Beichte ist sowohl ein zentrales Element im christlichen Leben als auch im Gottesdienst selbst. Hier können wir in Demut vor den Altar treten und nach der „dem einzelnen zugesprochenen Absolution“ aufgerichtet und erhobenen Hauptes von dort gestärkt zurückgehen.

Wie wir alle wissen, steht das Dienen Gottes an seinen Kindern im Mittelpunkt des Gottesdienstes, die Beichte mit Absolution ist somit ein Wirken Gottes an uns ohne unseren eigenen Verdienst und unser Zutun. Ein Geschenk!

Da Geschenke bekanntlich nichts kosten, können wir uns damit uneingeschränkt eindecken. Die Beichte ist Bestandteil eines jeden Gottesdienstes. Aufgrund der Größe dieses Geschenkes und der Bedeutung der persönlichen Vergebung unter Handauflegung durch einen berufenen Diener des Herrn, sollen wir diese Form rege suchen und das Angebot dankbar annehmen.

Der letzte Teil, die Diskussion der Erkenntnisse und der Möglichkeiten in der praktischen Umsetzung, konnte nur noch kurz behandelt werden. Das ist auch nicht wirklich schlimm, denn die Vermittlung ist nicht Sache der wenigen Seminarteilnehmer. Es genügt auch nicht, es an Pfarrer und Kirchenvorstand zu delegieren oder von den Eltern zu verlangen, das christliche Wissen an die nächste Generation weiter zutragen. Das Problem liegt tiefer auf einer anderen Ebene. Wir müssen erst wieder verstehen, welches Geschenk es ist, dass wir jeden Sonntag das Wort Gottes lauter und rein von unsern Kanzeln hören dürfen. Wichtig ist es zu erkennen, warum es notwendig ist, zu der „Tankstelle“ Gottes, dem Gottesdienst, zu kommen.

Wir müssen in Form einer Christenlehre wieder die Bedeutung der Taufe, der Beichte und des Abendmahls erkennen. Erst dann können wir als Gemeinschaft wieder anderen hinterher gehen und ihnen wie selbstverständlich erklären, warum die Beichte ein Geschenk Gottes ist.

In der Woche nach dem Seminar erschien ein Artikel in der Zeitung, dass Teenager im Schnitt 138 Minuten am Tag im Internet verbringen. Kann da eine halbe Stunde Beichte vor dem Hauptgottesdienst verlorene Zeit sein? Neben der Zeitung wurde auch im Radio davon berichtet, dass der Bischof von Limburg das Konzept der Großgemeinden favorisiert, aus 132 mach 40 und jeder Geistliche betreut 20.000 Seelen, unterstützt durch Laien. Da kann das Geschenk der Sündenvergebung durch Handauflegung schnell zu einem teuren Luxusgut werden. Bei uns bleibt es ein Geschenk. Gott sei Dank.

(Wolfgang Ax)

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