Geistliches Wort:    Andacht

 


„Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“               Johannes 1, 29

 

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leser!

Die Worte „Schuld und Sühne“ sind wichtige Begriffe in der Passionszeit und führen uns in das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte. Wer redet schon gerne von Schuld und Sünde, von Missetat und Versagen! Wer gibt zu, dass er sein Leben nicht im Griff hat und nicht schon einmal – mehrmals eingebrochen ist. Wer denkt daran, dass er sich vor Gott verantworten und für sein Leben Rechenschaft gegeben muss. Oft verdrängt der Mensch die Tatsache, dass am Ende die Verurteilung steht, weil er weniger nach dem Willen des Schöpfers als mehr nach seinen eigenen Vorstellungen und Wünschen gelebt hat.

Im Alten Testament – 3. Mose 16 – wird die blutige Folge dieser Lebensweise geschildert. Aaron soll im Auftrag Gottes am großen Versöhnungstag für sich und das Volk die Sühne für die Schuld vollbringen. Für sich soll er einen Stier opfern und für das Volk zwei Böcke bereitstellen: den einen soll er schlachten und mit dessen Blut im Allerheiligste des Tempels die Bundeslade besprengen. Dem anderen Bock soll er die Hände auflegen und ihm symbolisch die Sünde des Volkes auflegen; dieser Sündenbock wird in die Wüste geschickt, um die Schuld aus dem Lager in die Zone des Todes zu befördern.

Eine eigenartige Redeweise, die aber etwas vom Ernst der Sünde verdeutlicht: Tiere müssen für die Menschen herhalten; Tierblut für Menschenblut, das Leben der Tiere für das Leben der Menschen. So ernst, so bluternst, so todernst ist die Sache mit der Schuld, die uns ins ewige Verderben stürzt – wenn, ja, wenn nicht damals im AT als Zwischenlösung ein Tier und später als endgültige Lösung das Lamm Gottes für uns eingesprungen wäre.

Das Blut Jesu hat für uns den Zugang zum Vater geöffnet, der Vorhang im Tempel ist im Zeitpunkt seines Todes zerrissen, der Weg ist frei hin zu Gott dem HERRN, dem Vater im Himmel. Christus ist der Sündenbock, der für uns in die Zone des Todes geschickt wurde, belastet mit unserer Schuld und all dem Bösen: die dunklen Gedanken, die unüberlegten Worte, die lieblosen Taten – einfach alles liegt auf IHM, auf das wir versöhnt sind mit Gott, mit uns selbst und mit dem anderen, damit es Frieden werde bei uns und durch uns um Christi willen. Gott sei Dank!

Diesen Frieden hören und empfangen wir Sonntag um Sonntag. Für Dich, lieber Leser, ist ER da: Jesus Christus, das Lamm Gottes!

 

Pfarrer Stefan Dittmer

 
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